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Ganz der Papa?

01.02.2005
Quelle: GESUNDHEIT

Weil DNA-Analysen heute relativ einfach und kostengünstig durchgeführt werden können, bieten immer mehr Institute Vaterschaftstests an. Und auch die Zahl der Väter und Mütter, die es genau wissen wollen, steigt kontinuierlich...

Die Stupsnase und die schönen braunen Augen - eindeutig von der Mama. Das brünette Haar, die kleinen Ohren und die langen Finger - auch eher von der Mama. Der schlanke Körperbau? Den hat der Kleine bestimmt vom Papa. Oder doch nicht? Die heiteren Ratespiele an der Wiege des Neugeborenen gehören bei der Verwandtschaft zum obligatorischen Ritual. Was viele nicht wissen: Bei rund zehn Prozent aller in Österreich geborenen Babys, so jüngste Erhebungen, ist 'der vermeintliche Vater nicht der biologisch echte ...

Sind Zweifel an der Vaterschaft gegeben, kann heute mit Hilfe der modernen Technik relativ leicht eruiert werden, ob Papa auch wirklich der Zeuger des Kindes ist. Private Vaterschaftstests sind gefragter denn je. Immer mehr Männer (und Frauen - etwa ein Drittel aller Anfragen kommen von ihnen) wollen mögliche Zweifel ausschließen und lassen auf eigene Kosten einen Abstammungstest durchführen.

Vaterschaftstests werden mittels DNA-Analyse erstellt, bei der Erbmerkmale in Haaren, Blutproben oder der Schleimhaut des Kindes und des potenziellen Vaters untersucht werden. "Meist wird mit einem sterilen Wattestäbchen etwas Schleim aus dem Mund abgenommen. Im Labor werden die Proben auf deren genetische Übereinstimmung untersucht. Denn jeder Mensch hat 50 Prozent seiner DNA von der Mutter und 50 Prozent vom Vater geerbt", erklärt Mag. Susanna Haas, Geschäftsführerin des DNA-Labors "Confidence" in Wien.

Innerhalb weniger Tage liegt das zuverlässige Ergebnis des Vaterschaftstests vor. Dann steht schwarz auf weiß geschrieben, dass Papa zu 99,99 Prozent der biologische Vater ist. Oder dass er es zu 100 Prozent nicht ist. Gabriele Blaschitz, Pressesprecherin des Biotechnologie-Unternehmens "EccoCell": "Die minimale Unschärfe beim positiven Testergebnis ergibt sich aus der Möglichkeit, dass dasselbe genetische Charakteristikum auf dieser Welt noch einmal existieren könnte. Das ist zwar rein statistisch gesehen möglich, kann aber in der Praxis völlig ausgeschlossen werden." Viele Labors bieten bei der Vermittlung des Testergebnisses auch psychologische Unterstützung an, denn unerwartete Ergebnisse können schwere Familienkrisen auslösen.

Die Kosten für Vaterschaftstests sind in den vergangenen Jahren aufgrund des technologischen Fortschritts und des sprunghaften Anstiegs der Nachfrage stark gesunken. Bereits ab € 300,- bieten zahlreiche Privat-Labors und Krankenhäuser dieses "Service" an. Bei deren Auswahl sollten Testwillige allerdings auf Seriosität achten. Dr. Wolfgang Mayr, Vorstand des Instituts für Blutgruppenserologie am AKH-Wien: "Um ein Privat-Labor für DNA-Analysen zu führen, muss man kein Mediziner sein. Oft machen das auch Biologen, die das richtige Know-how und die teure technische Ausstattung besitzen. Ich zweifle zwar nicht am Können dieser privaten Labors, sehr oft aber werden Analysen ohne Identitätsnachweis durchgeführt. Vor Gericht sind solche Tests, bei denen die Identität der Proben fraglich ist, nicht zulässig." Auch Dr. Gustav Scholda, Gerichtssachverständiger und Labormediziner im IMCL (Institut für medizinisch-chemische Labordiagnostik) macht darauf aufmerksam, dass "anonyme Vaterschaftstests zwar von den Labors angeboten werden, aber eben nur für private Zwecke taugen. Ich selbst führe Tests nur durch, wenn die beteiligten Personen auch wirklich anwesend sind."

Auch bei den neuerdings in Apotheken und Drogeriemärkten angebotenen Vaterschaftstests (die Speichelproben werden hier per Post ans Labor gesendet) fehlt der Identitätsnachweis. Gabriele Blaschitz von „EccoCell“: „Das Gutachten ist dann gerichtliche verwertbar, wenn die Probenentnahme von einem Sachsverständigen, Arzt oder Rechtsanwalt bestätigt wird.“

In seinem Labor hat Dr. Scholda von IMCL schon hunderten Vaterschaften die „offizielle Bestätigung“ erteilt. „In 90 Prozent aller Fälle ist der Vater nämlich auch tatsächlich der genetisch richtige. Skurril wird die Sache, wenn Mütter so lange mit Speichelproben von Männern kommen, bis sie den richtigen gefunden haben.“ Aber so viele Möglichkeiten wird es in den meisten Fällen auch wieder nicht geben …

Sandra Baierl