Home     Kontakt     Disclaimer     Impressum


Unternehmen

Forschung

Service & Produkte

Presse

- Presseaussendungen
- Pressemeldungen
- Pressedownload

Infomaterial

Kontakt


02.02.2005

Stammzellen aus Nabelschnurblut - Ersatzteillager der Extraklasse

Quelle: all4family

Wissen Sie, was der antike Held Achilles tat, wenn ihm der Mut ausging? Er gönnte sich eine Tapferkeitstransplantation: ein gegrilltes Löwenherz lud den Kampfeswillen des Griechen wieder auf. Ob das genutzt hat? Nun, Achilles war schon sehr mutig. Und auch sehr jung sehr tot.

Wir heutige ersetzen lieber abgenutzte Körperteile als verpuffte Geisteskräfte: Titangelenke, Magenplastiken oder Bypässe. Und wir sterben später. Falls nichts dazwischen kommt. Mögen Sie Science-Fiction? Was, wenn ein krankes Organ ohne Transplantation erneuert werden könnte? Vielleicht, indem man es ganz einfach züchtet? Was, wenn amputierte Gliedmaßen zum Nachwachsen gebracht werden können? Was, wenn von Alzheimer oder BSE zerstörte Gehirnzellen sich wieder nachbilden? Und was, wenn das alles zwar Science aber keine Fiction ist?

Stammzellen - Fundament der Entwicklung.
Der Schlüssel zu alledem heißt Stammzelle - ein Begriff, der derzeit überall aufzutauchen scheint. Ein Ausdruck, der einen irgendwie laborartigen Beigeschmack vermittelt, ein wenig Wagnis und viel Aufbruchsstimmung. Und ein Wort mit mehr als einer einzigen Bedeutung. Stammzellen sind unsere MutterzeIlen, der Ursprung, der Beginn unserer Entwicklung kurz nach der Befruchtung der Eizelle. Sie sind völlig ident, aber nach der Teilung reift die nächste Generation zu verschiedenen Zelltypen mit unterschiedlicher Funktion: In unserem Körper finden sich mehr als 200 verschiedene Zellarten, entstanden aus einer einzigen Stammzelle, dem befruchteten Ei. Totipotente Stammzellen sind zu allem fähig. Bis zum 8-Zell-Stadium bewahrt sich der Embryo die "Totipotenz", die Fähigkeit, aus einer einzigen Zelle einen ganzen Organismus zu bilden. Trennt man also diese acht Zellen von einander, wachsen daraus acht völlig erbgleiche Menschen heran.

Pluripotente Stammzellen haben noch viele Fähigkeiten.
Interessant. Aber als Heilmethode sind totipotente Zellen nicht wirklich einsetzbar. Vielversprechender sind da schon "pluripotente" oder "EmbryonalstammzeIlen" - sie werden aus Embryonen im 100-Zell-Stadium, den Blastozyten, gewonnen, wie sie bei Reagenzglasbefruchtungen entstehen. Pluripotente Stammzellen können sich zu jeder einzelnen Gewebeart entwickeln, egal, ob ein Stück Magenschleimhaut oder eine Haarwurzel gebraucht wird. Doch leiderleider, so seufzen weltweit die Forscher, allzu viele Embryonen stehen für die Versuche nicht zur Verfügung. Was also liegt näher, mithilfe des 8-Zell-Stadiums genügend Organismen zu entwickeln, aus denen sich dann die pluripotenten Stammzellen gewinnen lassen? Entfernt man dabei den Zellkern und ersetzt ihn durch den Kern des gewünschten Organes, lässt sich mit etwas Geduld züchten, was auch immer man will.

Organstammzellen.
Und schließlich hat noch jedes Organ seine eigenen Stammzellen - die können aber nur mehr eine Handvoll bestimmter Gewebearten bilden, eben jene, die für das Organ gebraucht werden. Heilungsprozesse zum Beispiel wären ohne Organstammzellen unmöglich. Leider war es bisher allerdings nicht möglich, diese Zellen rückzuzüchten, sodass sie ihre Pluripotenz, die Möglichkeit, jedes Gewebe zu bilden, wiedererlangen. Und hier setzen nun Stammzellendatenbanken an.

Nabelschnurblut, ein ganz besonderer Saft!
Erinnern Sie sich noch - vor zehn, fünfzehn Jahren begann das Nabelschnurblut interessant zu werden: Esist reich an Blut-Stammzellen, die zur Behandlung von Krebs oder einigen Erbkrankheiten verwendet werden können. Und es kann durch Kryokonservierung in einigen Labors gefroren Jahrzehnte überdauern, so lange, bis es gebraucht wird, am besten vom Spender selbst. Wolfgang Holzgreve, Chef der Basler Frauenklinik, erklärt: "Bei Erwachsenen sitzen Blut-Stammzellen, die Mutterzeilen für Blutkörperchen und Blutplättchen, im Knochenmark. Gewisse Formen von Blutkrebs befallen die Knochenmarkszellen und verhindern die Bildung gesunden Blutes. Bisher mussten in so einem Fall geeignete Knochenmarksspender gefunden werden - heute können wir Transfusionen aus Nabelschnurblut vornehmen: mit 85 % Erfolgsrate. Und darum bauen wir hier in Basel eine europaweite Nabelschnur-Blutbank auf, die den Kranken zur Verfügung stehen wird." Klingt viel versprechend! Gesunde Spenderzellen ersetzen das kranke Gewebe und vermehren sich munter weiter. Aber nicht nur viele Formen der Leukämie, sondern auch einige Immunkrankheiten lassen sich mit den Stammzellen aus dem Nabelschnurblut behandeln. Und die Forscher hoffen sie bald noch auf weiteren Gebieten einsetzen zu können: Bei Rheuma, Diabetes, Herzerkrankungen, Parkinson, Alzheimer und Multipler Sklerose waren zumindest Tierversuche sehr vielversprechend. Die StammzeIlen-Datenbank im National Institute für Biological Standards and Control im Britischen Herfordshire, erst im Aufbau begriffen, kann allerdings noch nicht viele Anfragen erfüllen. Was liegt also näher, als sein eigenes Nabelschnurblut konservieren zu lassen?

Nabelschnurblut als Lebensversicherung?
Cryo-Save zum Beispiel, ein Unternehmen mit Sitz in Waidhofen, bietet schon seit einigen Jahren die fachgerechte und individuelle Lagerung der Stammzellen an. Auch Vita 34 arbeitet mit einem ähnlichen Verfahren. Gleich nach der Geburt eines Kindes- die Nabelschnur sollte nicht auspulsieren - entnehmen Hebamme oder Arzt das Blut und schicken es per Kurier an das Unternehmen. Dort wird es sehr nahe dem absoluten Nullpunkt eingefroren. Das Verfahren garantiert, dass die StammzeIlen weder altern noch beschädigt werden und jederzeit bei Bedarf eingesetzt werden können. Und die Kosten? Die differieren je nach Firma, von der die Einlagerung vorgenommen wird - in jedem Fall bleiben sie aber unter € 2.000,- für 20 Jahre Lagerung inklusive Entnahme und Transport, selbstverständlich in Teilbeträgen zu entrichten. Die Honorare für eine Therapie mit den konservierten Zellen trägt im Normalfall die Krankenkasse. Unverbindliche Informationen erhalten Interessenten zum Beispiel bei Lifecord (0316 722 866 12).

Ein weiterer Schritt: Organzucht.
Ein großes Ziel der medizinischen Forschung wurde 1998von den Teams der John Hopkins Medical Institutions und der University of Wisconsin-Madison erreicht: Einzelne Stammzeilen aus menschlichen Blastozyten-Zeilverbänden, die etwa fünf Tage nach der Eizellen-Befruchtung entstehen - konnten mittels eines patentierten Verfahrens dazu gebracht werden, sich zu vermehren und zu der jeweils gebrauchten Zellart zu entwickeln. Prof.James A. Thomson ist überzeugt, hier vor der Zukunft der Transplantationsmedizin zu stehen: Risikoreiche Operationen, in denen fremde Organe eingesetzt werden, könnten in Zukunft durch gezielte Nachzucht des beschädigten Gewebes unnötig werden. WARF, ein Tochterunternehmen der University of Wisconsin-Madison, plant jedenfalls in Zukunft auch den Aufbau einer Datenbank für den Handel mit solchen Zucht-Stammzellen.

Ästhetisch? Kosmetisch!
Die französische staatliche Medizinforschungsorganisation INSERM wieder liefert einen nicht ganz so spektakulären Ansatz: Sie hat in der menschlichen Haut Stammzellen entdeckt, die mit der richtigen Stimulation den Haarwuchs beeinflussen. Adieu dem Damenbart und der Glatze! Und adieu auch einigen Vorurteilen: Stammzeilen haben nichts mit genetischen Eingriffen zu tun. Und mit geklonten Monstern schon gar nicht. Aber ziemlich viel mit Leben - vielleicht sogar dem unserer Kinder.
VON GERLINDE HEIL