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Konservierung körpereigener Stammzellen als Altersvorsorge?
07.04.2004
Quelle: Medical Tribune
Wien - Da auch Stammzellen einem Alterungsprozess zu unterliegen scheinen,
wird heute diskutiert, junge körpereigene Stammzellen zu konservieren,
um damit später eine verbesserte Gefäßreparatur anregen
zu können.
Stammzellen
Erste humane embryonale Stammzellinien wurden in den achtziger Jahren
des 20. Jahrhunderts etabliert, parallel dazu wurden immer mehr Erkenntnisse
über adulte Stammzellen und deren therapeutisches Potenzial gewonnen.
Neuere Forschungen legen nahe, so Univ.Prof. Dr. Herbert Zech, Präsident
der Österreichischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin,
dass adulte Stammzellen wahrscheinlich mit zunehmendem Alter ihre biologische
Aktivität und damit ihre Regenerationsfähigkeit verlieren. Immer
mehr kristallisiert sich daher heraus, dass Stammzellen zum frühestmöglichen
Zeitpunkt konserviert werden könnten, um damit später bei Bedarf
die Zellregeneration in kranken Organen anregen zu können. Infrage
kommen dabei Stammzellen aus dem Nabelschnurblut, dem Knochenmark oder
dem peripheren Blut des Erwachsenen.
Wobei einiges für die Nabeschnurstammzelle spricht, die sozusagen
zwischen embryonaler und Knochenmarkstammzelle steht, erklärt Univ.Prof.
Dr. Konrad Schauenstein, Institut für Pathophysiologie der Medizinischen
Universität Graz. Die Nabelschnurstammzelle hat ein höheres
Differenzierungspotenzial als die schon mehr festgelegte adulte Knochenmarkstammzelle.
Embryonalstammzellen führen leider bei der In-vivo-Applikation
in vielen Fällen zum Auftreten von Tumoren, weil diese Zellen den
Tumorzellen sehr ähnlich sind. Nabelschnurstammzellen sind
weitgehend frei von Tumorkontaminationen, die sich häufig in Knochenmarkstammzellen
finden.
Stammzellen und Alterung
Neuere Erkenntnisse über Stammzellen haben gezeigt, dass beim Alterungsprozess
die Zellregeneration eine wichtige Rolle spielt, erklärt Prof. Schauenstein.
Praktisch alle Organe auch die mit anscheinend niedrigem Regenerationspotenzial
wie Nervengewebe oder Herzmuskel enthalten Stammzellen, die eine
gewebsspezifische Regeneration leisten. Diese stammen teilweise aus dem
Knochenmark, dessen Stammzellen in der Lage sind, zu Zellen praktisch
aller Gewebe heranzureifen. Aber diese Fähigkeit scheint im Alter
verloren zu gehen.
Altersbedingte Erkrankungen wie Atherosklerose treten nicht nur durch
Akkumulation von Endothelschäden durch die bekannten Risikofaktoren
auf, sondern auch weil die regenerative Funktion von Stammzellen nachlässt.
Wenn man Mäuse mit besonders hohem Cholesterin und atherosklerotischen
Plaques mit jungen Knochenmarkstammzellen behandelt reduzieren sich die
Plaques drastisch, und zwar auch hochsignifikant besser als mit alten
Stammzellen.
Menschen mit hohen Risikofaktoren haben weniger Stammzellen im Blut,
die die Innenauskleidung der Gefäße reparieren können,
stellt Univ.Prof. Dr. Karl-Heinz Preisegger, Univ.-Klinik für Pathologie,
Graz, fest. Andererseits kann man durch körperliche Aktivität
den Stammzellenpool im peripheren Blut erhöhen. Auch Lipid-senkende
Medikamente können das - in den ersten Phasen, bei Fortführen
der Therapie fällt der Stammzellenpool bei vielen Patienten jedoch
wieder ab.
Diabetiker leiden besonders früh und rasch an einer Atherosklerose.
Das kann man so erklären, dass Diabetiker immer wieder ihre Gefäße
erneuern müssen und so die Stammzellen wesentlich rascher verbrauchen
als Gesunde. Das könnte auch erklären, warum bei Diabetikern
Wunden schlecht heilen. Man hat gesehen, dass beim Raucherbein die Regeneration
beschleunigt wird, wenn man mit einer großen Anzahl von Stammzellen
behandelt.
Muskelschwäche
Auch bei angeborenen Stoffwechselerkrankungen und angeborener Muskelschwäche
wird der Alterungsprozess von Stammzellen für das Fortschreiten der
Erkrankung verantwortlich gemacht. Hier kommt es immer wieder zu
einer Regeneration von Muskulatur, genährt durch Stammzellen, die
bei diesen Erkrankungen übermäßig rasch altern. Mit jüngeren
Stammzellen kann der Krankheitsprozess hinausgezögert werden.
Es wäre daher möglicherweise sinnvoll, junge, körpereigene
Stammzellen zu konservieren, um mit ihnen später den Stammzell-Pool
zu ergänzen und im Alter noch eine verbesserte Reparatur von Gefäßen
anregen zu können.
Stammzellen konservieren?
War bisher nur die Konservierung von Stammzellen aus Nabelschnurblut erlaubt,
so ist sei kurzem auch die Konservierung von Knochenmarkstammzellen möglich.
Somit können jetzt auch jene vorsorgen, die der Nabeschnur
bereits entwachsen sind.
In lokaler Narkose werden Stamm- und Immunzellen aus dem Hüftknochen
entnommen und dann im Reinstraumlabor nach einem spezifischen Verfahren
isoliert, kontrolliert tiefgefroren und bei ca. 180° C in Stickstoff
gelagert. Die Lagerung ist praktisch unbegrenzt möglich.
Die Kosten belaufen sich auf rund 1.600 Euro für Präparation
und Lagerung für fünf Jahre. Danach fallen rund 20 Euro jährlich
an.
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