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Stammzellen füllen Lücken in Knochen

17.06.2004

Quelle: Handelsblatt

Größere Knochendefekte führte Medizin an ihre Grenzen. Stammzellen sollen helfen.

Bei Knochendefekten, die so groß sind, dass der Körper sie nicht selbst reparieren kann, war die Medizin bisher oft mit ihrem Latein am Ende. Körpereigene, adulte Stammzellen sollen nun helfen, eine Lücke wieder mit eigenem Knochen aufzufüllen. Dazu starteten die Mediziner Manfred Köller und Thomas A. Schildhauer der chirurgischen Klinik der Ruhr-Uni Bochum eine der weltweit ersten Pilotstudien in den BG-Kliniken Bergmannsheil. Zwei Patienten wurden erstmals mit eigenen adulten Stammzellen behandelt. Weitere Versuche mit acht anderen Personen sollen folgen.

Durch Einsatz der Stammzellen hoffen die Ärzte auch komplizierte, nicht- oder schlecht heilende Frakturen durch Neubildung von Knochenzellen behandeln zu können. „Ob die neue Behandlungsmethode funktioniert, werden wir allerdings erst frühestens in sechs bis acht Wochen wissen“, sagt Köhler im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Adulte Stammzellen sind im Gegensatz zu ausgereiften (differenzierten) Körperzellen in ihren Aufgaben noch nicht festgelegt und können sich außerdem selbst erneuern. Im Körper haben sie das ganze Leben lang die Aufgaben, Gewebe zu reparieren und zu regenerieren. Da die Stammzellen nur in geringer Menge im Körper vorkommen, war die Therapie bislang nur schwer einsetzbar. Nur eine von etwa 10 000 Blutzellen des Knochenmarks ist eine Stammzelle. „Daher ist die Vermehrung dieser Zellen von so großer Bedeutung“, erläutert Schildhauer.

Die chirurgische Universitätsklinik im Bergmannsheil arbeitet mit einem computergesteuerten Zellinkubator des amerikanischen Biotechnologie-Unternehmens Aastrom Biosciences. Die wenigen, aus dem Knochenmark isolierten Stammzellen werden hier in einem geschlossenen System unter optimalen Bedingungen zwölf Tage lang vermehrt. Am Ende dieser Zeit können die Mediziner dann eine ausreichend große Menge von Stammzellen ernten, um die Knochendefekte behandeln zu können.