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Aktuell
Stammzellen als "persönliche Gesundheitsvorsorge"
18.03.2004
Quelle: derStandard.at | Wissenschaft | Mensch
"Biologisches Gold", dass Erwachsene im Alter auf ihre eigenen
Knochenmark- Stammzellen zurückgreifen können
Wien - Durch die seit einer Woche erlaubte Entnahme von Knochenmark-Stammzellen
auch von Erwachsenen ist für die Zukunft ein großer Sprung
in der Medizin zu erwarten. Das ist die Conclusio einer Pressekonferenz
zum Thema "Stammzellen - quo vadis?" am Donnerstag in Wien.
Der Grazer Immunpathologe Dr. Konrad Schauenstein ging in seinem Statement
noch weiter: "Die gängigen Medizinbücher müssen umgeschrieben
werden."
Bisher waren nur die Präparation und Lagerung von mononukleären
Zellen aus Nabelschnurblut erlaubt, jetzt können Erwachsene im Alter
auf ihre eigenen Knochenmark-Stammzellen zurückgreifen. "Das
ist biologisches Gold", sagte der Wiener Gynäkologe DDr. Johannes
Huber. Die Entnahme erfolgt aus dem Hüftknochen bei lokaler Narkose
und kostet laut dem Grazer Humangenetiker Dr. Karl-Heinz Preisegger rund
1.600 Euro inklusive Präparation und Lagerung für fünf
Jahre. Danach belaufen sich die Kosten auf rund 20 Euro jährlich.
Preisegger: "Ich habe mir selbst auch schon Stammzellen entnehmen
lassen."
"Persönliche Gesundheitsvorsorge"
Wozu aber die Konservierung eigener Stammzellen? "Es handelt sich
quasi um eine persönliche Gesundheitsvorsorge", erklärte
Preisegger. Im Zuge des Alterns erleiden die Stammzellen "Defekte",
verlieren ihre Regenerationskraft und büßen ab dem 50. Lebensjahr
an Aktivität ein. Die Expertenrunde der EccoCell, der neben Preisegger,
Schauenstein und Huber auch noch der Gynäkologen Dr. Herbert Zech
sowie der Herzchirurg Dr. Alfred Kocher angehörten, kam zu dem Schluss,
dass "eine Auffrischung bzw. Ergänzung des alternden Stammzell-Pools
mit jungen, körpereigenen Stammzellen zu einer verbesserten Reparatur
von Gefäßen im hohen Alter führt".
Einsatz
Denkbar sei der Einsatz, so die Mediziner, u.a. bei der Behandlung von
Alzheimer, Altersdiabetes, Atherosklerose (Gefäßverkalkung,
Gefäßverengung), Immundefekten oder bei Patienten mit Muskelschwund.
Die Forschung steckt allerdings noch in den Kinderschuhen, deshalb sei
auch nicht abschätzbar, ob es beim Einsatz von Stammzellen zu einer
völligen Heilung oder nur zu einem gebremsten Krankheitsfortschritt
käme, so die Experten. Schaden könne es jedenfalls nicht. Laut
Schauenstein ist die Konservierung bei Temperaturen um minus 160 Grad
praktisch unbegrenzt möglich.
Fortgeschrittenere Studien gibt es bereits bei der Behandlung von Patienten
nach einem Herzinfarkt. Hierbei habe man bei keinem der Patienten, die
am Allgemeinen Krankenhaus in Wien (AKH) mit jüngeren Stammzellen
behandelt wurden, eine Verschlechterung, vielfach aber eine deutliche
Verbesserung und schnellere Regeneration wie geringere Vernarbung bemerkt,
erklärte Kocher. Das Projekt am AKH wurde vom Jubiläumsfonds
der Nationalbank mit 80.000 Euro gefördert, so Kocher, "aber
natürlich würden wir uns eine Förderung der Konservierung
von Stammzellen durch die öffentliche Hand wünschen". (APA)
Informationen:
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