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Therapeutische Perspektiven
Stammzell-Therapie bei Arteriosklerose
Auch Stammzellen bleiben von physiologischen Alterungsprozessen nicht
verschont und verlieren im Laufe der Jahrzehnte an Qualität. Bei
der Therapie von Arteriosklerose zeigt sich deutlich, dass junge Stammzellen
eine höhere Reparaturfähigkeit des Endothels aufweisen. Besonders
eindrucksvoll wurde kürzlich von einer Forschergruppe der Duke University
in North Carolina, USA, dargestellt, dass das Alter von Knochenmarkzellen
und deren Expositionsdauer mit Risikofaktoren für die Progression
einer Arteriosklerose wesentlich sind. Die Entwicklung einer Arteriosklerose
konnte durch Behandlung mit jüngeren Stammzellen hingegen dramatisch
verzögert werden. Auch die Behandlung mit Stammzellen von etwas älteren
Mäusen zeigte noch einen therapeutischen Effekt, dieser war aber
wesentlich weniger eindrucksvoll. Diese Entwicklungen legen das Konzept
einer vorsorglichen Einlagerung von adulten Stammuzellen in jungen Lebensjahren
nahe.
Stammzell-Therapie des Herzinfarktes
Zellen des Knochenmarks besitzen möglicherweise sogar die Fähigkeit,
sich in eine Vielzahl von Geweben umzuwandeln - unter anderem auch in
Herzmuskel- oder Blutgefäßzellen. Ziel des Einsatzes von Stammzellen
nach einem Herzinfarkt ist es, die Herzleistung wieder zu verbessern.
Therapieversuche im Tiermodell haben bereits mehrfach und überzeugend
gezeigt, dass Stammzellen zur Regeneration des durch den Herzinfarkt geschädigten
Herzmuskels bzw. zur Neubildung von Gefäßen im Infarktareal
führen. Im Rahmen erster klinischer Studien (beispielsweise in Wien,
Düsseldorf oder in den USA) wird bereits versucht, Herzinfarktpatienten
mit Blutstammzellen, die aus dem Knochenmark des Patienten stammen, zu
behandeln. Die ersten Ergebnisse scheinen sehr viel versprechend.
Stammzell-Therapie offener Beingeschwüre bei Diabetikern
Bei zuckerkranken Patienten kommt es häufig zu schlecht heilenden
Wunden, z.B. Beingeschwüren. Da die Konsequenzen für die Patienten
bis hin zur Amputation führen können, wird weltweit sehr viel
in die Forschung zur Abheilung dieser Beingeschwüre investiert. Mit
körpereigenen Stammzellen aus dem Knochenmark konnte bereits eine
beschleunigte Heilung erzielt werden.
Immuntherapie bei Tumorerkrankungen
Patienten mit Tumoren weisen eine deutliche Schwächung bestimmter
Immunzellen auf, die das Wachstum und die Ausbreitung eines Tumors erleichtern.
Stammzellen, die in einem gesunden Lebensabschnitt aus dem Nabelschnurblut
oder Knochenmark des Patienten gewonnen wurden, könnten ein ideales
Substrat für moderne Immuntherapien von Tumoren darstellen. Das Stichwort
ist die "Krebsimpfung", die im Tierexperiment faszinierende
Erfolge zeigt, beim Menschen aber noch nicht den gewünschten Durchbruch
brachte. Im Mittelpunkt dieser Therapie steht eine bestimmte Art von Immunzellen,
die dendritischen Zellen. Diese werden vom Patienten gewonnen, im Reagenzglas
manipuliert und anschließend wieder verabreicht. Ziel ist es, dass
diese Zellen den Tumor wieder als fremd erkennen und zerstören.
Das Problem bei den bisherigen Therapien am Menschen war, dass nur Zellen
zur Verfügung standen, die erst zu einem Zeitpunkt gewonnen wurden,
zu dem der Tumor bereits evident war. Die zu diesem Zeitpunkt bereits
vorliegende Schädigung der Zellen führt dazu, dass der gewünschte
Therapieerfolg nicht in dem Ausmaß eintritt, wie anhand experimenteller
Untersuchungen zu erwarten wäre.
Vorsorglich eingelagerte Immunzellen könnten die heutigen Immuntherapien
drastisch verbessern - Vorraussetzung dafür ist aber, dass Menschen
körpereigene, junge Zellen für den Bedarfsfall vorsorglich einlagern
und, dass Studien initiiert werden, die die Anwendung mit gesunden Zellen
ermöglichen.
Stärkung der Immunabwehr im Alter
Die Alterung der Immunabwehr ist bereits ab dem 40. Lebensjahr nachweisbar
und betrifft in erster Linie die sogenannten T-Lymphozyten, die in der
Thymusdrüse geprägt werden. Die Thymusdrüse beginnt sich
bereits nach Abschluss der Wachstumsphase zurückzubilden. Die Folge
ist ein zunehmender Verlust von neuen, "naiven" T-Lymphozyten.
Die durch vorangegangene Immunreaktionen entstandenen "Gedächtniszellen"
nehmen hingegen zu. Dem altersbedingten Immunverlust liegt also nicht
zuletzt eine Unausgewogenheit von verschiedenen Populationen an T-Zellen
zugrunde. Das Altern der Immunabwehr führt bei älteren Menschen
zu einem erhöhten Auftreten von Infektionskrankheiten wie Pneumonien,
infektiöse Endokarditis, bakterielle Meningitis, Tuberkulose oder
Herpes Zoster sowie zu einem erhöhten Risiko für bestimmte Tumorerkrankungen.
Nicht nur die Häufigkeit, sondern auch der Schweregrad und die Mortalitätsrate
ist bei Infektionskrankheiten im Alter deutlich höher als in der
Jugend.
Junge Zellen aus einem Immunzell-Depot, angelegt im frühen Erwachsenenalter,
können möglicherweise viele altersassoziierte Immunprobleme
lösen. Sie können bei einer drohenden Imbalance des Immunsystems
verabreicht oder auch im Akutfall, z.B. bei schweren chronischen Virusinfektionen,
therapeutisch eingesetzt werden.
Stärkung des Immunsystems bei AIDS-Patienten
Bei AIDS-Patienten werden über Jahre hinweg Lymphozyten und Vorläuferzellen
permanent geschädigt und zerstört. Da sie ständig erneuert
werden müssen, ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem diese Regenerationsfähigkeit
erschöpft ist. Ein körpereigenes Stamm- und Immunzell-Depot
könnte den Wiederaufbau des erschöpften Immunsystems unterstützen.
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